Kirchengeschichte 1
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Neuerscheinung: 'Owned and Conducted entirely by the Native Christian Community'

Soeben erschienen ist ein neues Buch von Prof. em. Klaus Koschorke, das erstmals den ‚Christian Patriot. A Journal of Social and Religious Progress’ (Madras/Chennai 1890 – 1929) untersucht. Das Besondere an diesem Journal: es wurde "allein" von indischen Christen herausgegeben – und dies auf dem Höhepunkt des europäischen Kolonialismus und missionarischer Präsenz in Übersee. Damit eröffnen sich teils ganz neue Perspektiven auf die indische und globale Christentumsgeschichte zu Beginn des 20. Jh.s.

12.08.2019

Klaus Koschorke, “Owned and Conducted entirely by the Native Christian Community”. Der ‘Christian Patriot’ und die indigen-christliche Presse im kolonialen Indien um 1900 (Studies in the History of Christianity in the Non-Western World 34; Wiesbaden: Harrassowitz 2019. (VIII + 304 pages; ISBN 978-3-447-11274-1).

Der ‘Christian Patriot. A Journal of Social and Religious Progress’ existierte von 1890 bis 1929 und verstand sich als "Sprachrohr" der indisch-protestantischen Gemeinschaft Südindiens. Das Blatt befand sich in "alleinigem" Besitz indischer Christen. Als solches eröffnet es ganz neue Perspektiven auf die indische und globale Christentumsgeschichte. Das Journal grenzte sich sowohl vom Paternalismus der euroamerikanischen Missionare wie von hindu-fundamentalistischen Tendenzen in der indischen Nationalbewegung ab. Dabei war es bestrebt, der Stimme indischer Christen als eigenständiger Größe in der kolonialen Öffentlichkeit des Landes Gehör zu verschaffen. Der ‚Christian Patriot‘ erreichte eine weite Zirkulation und fand Beachtung auch in Südasien, Südafrika, Europa und den USA. In Südafrika wurde das Blatt von Gandhi’s Journal ‘Indian Opinion’ zitiert. Zu seinen Abonnenten im fernen New York zählte etwa auch J.R. Mott, einer der Väter der protestantischen Ökumene-Bewegung des 20. Jh.s. Durch das Medium der Presse nahmen indische Christen Kontakt zu «einheimischen» Führungspersönlichkeiten in anderen Ländern und «Missionsfeldern» auf. So werden im Spiegel des ‚Christian Patriot‘ vielfältige transregionale Netzwerke indigen-christlicher Eliten aus Asien und anderen Gebieten des heute sogenannten globalen Südens sichtbar. Diese Netzwerke tragen zu einem neuen Verständnis christlicher Globalität um 1910 bei.

Diese Studie ist aus einem DFG-Forschungsprojekt über «Indigen-christlichen Eliten Asiens und Afrikas um 1900 im Spiegel ihrer Journale und Periodika. Muster kognitiver Interaktion und Frühformen transregionaler Vernetzung» hervorgegangen. Angesiedelt war dies Projekt unter der Leitung von Prok. Koschorke am Lehrstuhl für ‘Ältere und weltweite Christentumsgeschichte’ der LMU, in Verbindung mit der Fachholschule für Interkulturelle Theologie Hermannsburg. Andere Buchpublikationen aus demselben Projekt:

- Klaus Koschorke, Adrian Hermann, Frieder Ludwig, Ciprian Burlacioiu (Eds.), „To give publicity to our thoughts”. Journale asiatischer und afrikanischer Christen um 1900 und die Entstehung einer transregionalen indigen-christlichen Öffentlichkeit (Studies in the History of Christianity in the Non-Western World 31; Wiesbaden: Harrassowitz 2018 (378 Seiten; ISBN 978-3-447-11112-6).
- Klaus Koschorke, Adrian Hermann, E. Phuti Mogase, Ciprian Burlacioiu (Eds.), Discourses of Indigenous Christian Elites in Colonial Societies in Asia and Africa Around 1900. A Documentary Sourcebook from Selected Journals (Dokumente zur Außereuropäischen Christentumsgeschichte 4; Wiesbaden: Harrassowitz 2016 (502 Seiten; ISBN 978-3-447-19500-3)

Englischer Kurztext:

The ‚Christian Patriot‘ (Madras/Chennai 1890 – 1929) – a journal „owned and conducted entirely” by Indian Christians – represents a new class of documents for the study of the history of World Christianity. This weekly understood itself as mouth piece of the South Indian Protestant community “as a whole” and tried to assert their independent voice in the colonial public sphere. “Patriotic in tone and Christian in its aims”, it criticized both missionary paternalism and Hindu fundamentalism. At the same time, the ‘Christian Patriot’ reflects a wide range of transregional networks of indigenous Christian elites in Asia and other regions and colonial societies. Thus, this study contributes to a new understanding of Christian globality around 1910.

 

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